Michael Kuntzer leitet seit 28. April 2017 das Blasorchester des Musikvereins Unterriexingen. Nach einem Jahr wird es nun mal Zeit, zu fragen, wie es ihm so ergangen ist und was ihm an dem Job als Dirigent so gut gefällt.


Michael, du bist jetzt seit einem Jahr unser Dirigent: Wie und was gefällt dir an diesem Job?
Er gefällt mir absolut super! Meine Einschätzung nach den Probedirigaten war nicht falsch. Die Kapelle hat damals schon alles aufgesaugt und bestmöglich umgesetzt, was ich gesagt habe. Da hat sie mich bis heute nicht enttäuscht. Und das ist das, was mir so Spaß macht - zu schauen, was man noch rauskitzeln kann. Was mir auch gefällt, sind die für mich unbekannten Titel in der Mappe. Italo Pop Classics oder Hits International kannte ich gar nicht. Sowas freut mich und fordert mich gleichzeitig heraus.

Wie lief der Anfang, war es schwer?
Die ersten drei/vier Proben war ich schon nervös. Das gebe ich ganz ehrlich zu. Da bin ich nach Unterriexingen gefahren und dachte mir: Hoffentlich baue ich keinen Scheiß. In der Kapelle sitzen Leute, die echt viel Ahnung haben, gut ausgebildet sind, viel erwarten, ein super Verständnis von Musik haben und das ein oder andere vielleicht auch besser umsetzen könnten. Das macht es halt manchmal etwas schwierig, denn du musst als Dirigent immer aufpassen, wie du was sagst. Ansonsten bekommst du Gegenwind. Aber so nach einem Jahr komme ich ohne Bauchgrummeln in die Probe (lacht).

Was war dein schönstes Erlebnis? Auf was warst du besonders stolz?
Auf die Frühlingsfeier! Auch die Musikantenlaube war ganz interessant. Das war der einzige Auftritt, den wir mit Gesang gemacht haben, was ziemlich gut funktionierte. Da dachte ich schon: Boa geil! Das hat echt Spaß gemacht, aber das Jahreskonzert hat das schon nochmal überboten. Am meisten stolz bin ich darauf, dass ich es irgendwie geschafft habe, dass der Probenbesuch wohl im Vergleich zu den letzten Jahren wieder besser geworden ist und dass die Leute jetzt wieder motivierter in die Probe kommen. Das haben mir auch einige direkt gesagt. Sowas macht natürlich stolz.

Jetzt nach einem Jahr: Ist die Arbeit so, wie du es dir vorgestellt hast?
Ja, das trifft es ganz gut. Ich wusste ja schon aus dem Probedirigat, dass einiges bei den Musikern rauszuholen ist und das hat sich auch bestätigt. Natürlich gibt es die ein oder anderen Herausforderungen. Aber das ist ja normal. Zum Beispiel habe ich die Trompeten etwas musikalischer eingeschätzt (schmunzelt). Da gibt es definitiv noch was zu tun damit sie ins Orchester, in den Gesamtklang passen. Bei ihnen gibt es entweder laut oder leise. Dazwischen wenig. Daran müssen wir ganz dringend noch arbeiten.

Gibt es noch andere Situationen?
Große Herausforderungen sehe ich sonst keine. Ich bin definitiv noch nicht an meinen Grenzen angekommen. Beim Verein bin ich mir noch nicht so ganz sicher. An der Frühlingsfeier haben die Musiker nämlich so einiges geleistet. Da weiß ich nicht, ob wir das nächstes Jahr noch toppen können, sollen oder wollen. Andere Herausforderungen liegen in Diskussionen, die ich manchmal gewollt oder ungewollt führen muss. Oder auch daran, dass leider immer drei bis fünf Leute in den Proben fehlen. Aber damit musst du rechnen. 

Wie motivierst du deine Musiker?
Ich versuche, in die Proben und Auftritte möglichst viel Abwechslung reinzubekommen. Wenn die Musiker Spaß an den Stücken haben, dann kommt auch Stimmung auf. Ich will einfach jedem das passende Stück anbieten und ihn abholen.

Was waren im vergangenen Jahr deine Lieblingsauftritte?
Puh, das ist ziemlich schwer, da ich jeden Auftritt erst einmal mitgemacht habe. Aber ich würde sagen Musikantenlaube, Musikfest Markgröningen und Musikfest Ditzingen, da das mein erster Auftritt mit der Kapelle war und einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die Laube hat mir besonders gut gefallen, da wir ziemlich gute Musik gemacht haben. Wir haben Stimmung gemacht und das Publikum war voll auf unserer Seite. Das fand ich total cool. 

Warum bist du Dirigent geworden?
Da sind die meisten von meiner Antwort etwas enttäuscht. Es hat sich zufällig ergeben. Ich habe den D3-Lehrgang gemacht und fünf Jahre später dann mit den C-Lehrgängen begonnen. Während des C3-Lehrgangs dachte ich mir: Toll, jetzt hast du bald den Dirigentenschein aber keine Kapelle. Das ist ja Blödsinn. Daraufhin habe ich mir die Jugendkapelle in Tamm gesucht. Angefangen habe ich mit einer Jugendkapelle, weil ich mir eine große Kapelle noch nicht zugetraut habe. Als ich merkte, dass es gut läuft, habe ich mich dann nach aktiven Kapellen umgeschaut. Mit dem B-Schein hatte ich dann auch das fachliche Niveau für deren Leitung.

Wie bist du zur Musik gekommen? 
Durch meine Tante. Ihr war wichtig, dass alle Kinder in der Familie Blockflöte lernen und danach auch musikalisch weitermachen. Ich war schon als kleines Kind von der Trompete begeistert. 

Was sind deine Lieblingsstücke beim MVU?
Les Humphreys, Toto in Concert, was auch ins Sommerprogramm aufgenommen werden soll und Cream of Clapton.

Welche Ziele hast du dir (längerfristig) für das Blasorchester gesetzt?
Wir haben ja schon Oberstufenstücke am Konzert gespielt. Das will ich auf jeden Fall festigen. Ich will musikalisch noch mehr aus den Musikern rausholen. Ich möchte sie dazu bringen, selbst auf den Orchesterklang zu hören und sich anzupassen, weil das meine Arbeit einfach erleichtert. Das ist ein Prozess, der wird mehrere Jahre dauern. 

Das klingt so, als planst du länger mit uns?
Ja schon. Ich habe nicht vor, nur drei bis fünf Jahre hier zu sein.

Suchst du noch dringend neue Mitspieler für das Orchester?
Unterriexingen hat eine ziemlich gute Besetzung. Aber zwei Schlagzeuger und Posaunen mehr schadet nie. Sonst bin ich musikalisch sehr zufrieden mit dem, was vor mir sitzt.

Lieber Michael, Danke für das Interview.

Das Blasorchester probt freitags von 20:00 bis 22:00 Uhr im Proberaum in der Turn- und Festhalle in Unterriexingen. Neue Mitspielerinnen und Mitspieler sind jederzeit willkommen.

Bei Interesse können Sie sich mit Dirigent Michael Kuntzer oder dem ersten Vorsitzenden Klaus Bader in Verbindung setzen.


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