Felix Borkhardt leitet seit Anfang 2017 die Jugendkapelle des Musikvereins Unterriexingen. Nach einem Jahr wird es nun mal Zeit, zu fragen, wie es ihm so ergangen ist und was ihm daran so gut gefällt.

 

Felix, du bist jetzt seit über einem Jahr Jugenddirigent: Wie und was gefällt dir an diesem Job?

Der Job gefällt mir erstaunlicherweise gut, trotz der kleinen Besetzung. Ich kann mich viel ausprobieren. Gerade als angehender Student für Dirigat ist das eine tolle Chance. Wer kann schon im Alter von 21 Jahren sagen, dass er ein eigenes Orchester leitet? Hier kann ich meine Ideen einbringen und schauen, wie sie ankommen und was umgesetzt wird. Erfahrungen zu sammeln und zusammen mit Kindern zu arbeiten, machen mir großen Spaß.

Und wie lief der Anfang? War es schwierig?

Überhaupt nicht. Ich war 19 Jahre alt, als Stefan Krahl als Jugenddirigent aufhörte. Ich hatte also schon viele Jahre selbst in der Jugendkapelle (Juka) mitgespielt und wusste, was auf mich zukommt. Die anderen Mitspieler kannten mich schon. Das war ein Vorteil. Am Anfang dachte ich, es fehlt vielleicht der Respekt, aber überhaupt nicht. Bei der musikalischen Leitung lief also alles rund. Sicher ist es dem ein oder anderen schwergefallen, sich nach so langer Zeit an einen neuen Dirigenten, also an mich, zu gewöhnen. Ich bin ja noch immer in meiner Ausprobierungsphase. Mal gehe ich halt zu leicht über Sachen hinweg und mal mache ich an Stellen länger herum, als vielleicht nötig. Aber die Kids haben sich darauf eingestellt.

Welche Auftritte hattet ihr in deinem ersten Jahr als Dirigent?

Gleich zu Beginn gab es die Frühlingsfeier. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch kommissarischer Jugenddirigent. Dann kam die Musikantenlaube und im Spätsommer die Urigen WeinNächte. Das war unser schwierigster Auftritt. Die ganzen Stammspieler hatten nach dem Jahreskonzert aufgehört, und es waren viele neue Spieler in der Juka dabei. Das Jahr endete mit unserem großartigen Jugendkonzert.

Was war im Jahr 2017 dein schönstes Erlebnis und auf was warst du besonders stolz?

Auf das extrem anspruchsvolle Programm, das wir am Jugendkonzert gezeigt haben und dass die Kids am Probewochenende so gut mitgearbeitet und sich auf alles eingelassen haben. Das war super und das Jugendkonzert ein großer Erfolg. Ich bin wahnsinnig stolz auf das Orchester. Das war mein schönstes Erlebnis.

Gab und gibt es auch Situationen die dich herausfordern?

Ja, ruhig zu bleiben - und das relativ lange (lacht). Die größte Herausforderung ist, das Potenzial, das man sieht, den anderen zu vermitteln. Die kommende Frühlingsfeier wird nicht auf dem Niveau des Jugendkonzerts sein, weil wir viele neue und junge Mitspieler haben. Trotzdem spielen wir auch ein anspruchsvolles Stück. Bei den Kleineren sind da halt noch einige falsche Töne und Rhythmen dabei, was die Älteren nicht immer nachvollziehen können und sie ungeduldig macht. Hier muss man dann die Balance finden und den einen sagen „das wird schon“ und den anderen „ihr müsst da was tun“.

Ist die Arbeit so, wie du es dir vorgestellt hast?

Natürlich nicht. So vom Drumherum habe ich nicht daran gedacht, dass meine Generation irgendwann aufhört. Genauso dachte ich nicht, dass sich das Thema Jugendleitung so massiv verändert. Musikalisch habe ich es mir aber genauso vorgestellt. Ich dachte sogar, dass ich das Niveau noch weiter nach unten korrigieren muss. Das war aber gar nicht nötig. Ich muss die Spieler nur genügend motivieren.

Wie motivierst du deine Kids?

Nach dem Motto: Zuckerbrot und Peitsche (lacht). Am Anfang gibt’s kaum gute Worte von mir. Da heißt es dann: ihr müsst was machen, ihr müsst euch das anschauen, so geht das nicht. Aber am Ende der Probe oder wenn was geklappt hat, dann gibt’s ein anerkennendes Lob von mir.

Warum bist du Jugenddirigent geworden?

Weil mich der Vorstand direkt nachdem bekannt war, dass Stefan aufhört, gefragt hat, ob ich die Leitung kommissarisch übernehmen würde. Am Anfang lehnte ich ab, weil ich dachte, ich sei da zu sehr drin. Dann habe ich aber nochmal darüber geschlafen und dachte: warum eigentlich nicht? Ich durfte schon früher als Übung auf meinen C-Kurs die Juka dirigieren und das, was ich gemacht habe, kam bei den Kindern gut an. Und letztendlich: Wenn man Dirigent werden will, dann lässt man sich ja so eine Chance nicht entgehen.

Warum ist Musik so wichtig für dich?

Weil es das Einzige ist, was mich glücklich macht. Musik verbindet. Es macht viel Spaß. Musik umgibt uns immer.

Auf was dürfen wir uns im Jahr 2018 freuen?

Als großen Auftritt haben wir ja demnächst die Frühlingsfeier. Da wird sich die „neue“ Jugendkapelle vorstellen, ohne die alten Hasen. Wir haben quasi eine komplett neue Besetzung, viele neue Gesichter und ein neues Vororchester. Wie immer kommen dann noch die Laube und die Urigen WeinNächte. Zum Jahresende steht dann noch das Adventskonzert an. Hauptsächlich arbeiten wir dieses Jahr aber für uns. Ich möchte mehr Zug in die Proben reinbringen und den Kindern den Orchesteralltag näherbringen.

Wer darf in der Jugendkapelle und im Vororchester mitspielen?

Das Vororchester ist für Kinder, die gerade aus dem Einzelunterricht kommen und noch nie mit anderen zusammen Musik gemacht haben. Hier reicht es, wenn sie Tonarten mit ein bis zwei Vorzeichen und den Unterschied zwischen einer Viertel und einer Achtel kennen. Die Stücke werden speziell für die Gruppe geschrieben, das heißt, wir sind sehr flexibel. Die Jugendkapelle ist dann für die erfahreneren Spieler. Hier entscheiden Ausbilder, Eltern und Jugenddirigent gemeinsam, wann die Zeit reif ist. Neue Mitspieler sind aber jederzeit willkommen. Wir freuen uns über alle Instrumente, aber besonders über tiefes Blech, Schlagzeug und Klarinetten, von denen kann man nie genug haben.

Lieber Felix, vielen Dank für das Interview! 

 

Das Vororchester probt freitags von 17:30 bis 18:15 Uhr und die Jugendkapelle von 18:15 bis 19:45 Uhr im Proberaum in der Turn- und Festhalle in Unterriexingen.

Bei Interesse können Sie sich mit Jugenddirigent Felix Borkhardt oder dem ersten Vorsitzenden Klaus Bader in Verbindung setzen.


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